Nachdem uns unsere Herbstausfahrt 2004 in den bayerischen Wald geführt
hatte und dort das Wetter nicht ganz unseren Vorstellungen entsprach,
gingen unsere Planungen für 2005 in Richtung sonnensichereren Süden,
an den schönen Gardasee. Schon Anfang 2005 waren wir auf der Suche
nach einem geeigneten Hotel, welches Platz für etwa 30 Personen
bot, da an der Ausfahrt im letzten Jahr immerhin 26 Personen teilnahmen.
Groß war die Überraschung, nachdem die Einladungen an unsere
Mitglieder versandt waren: Insgesamt 44 Personen hatten sich zu dieser
Ausfahrt angemeldet! Einerseits konnte der Vorstand mit dieser Resonanz
mehr als zufrieden sein, andererseits stellte die große Teilnehmerzahl
eine kleine Herausforderung hinsichtlich der Planungen und Unterbringung
dar.
Unter anderem waren folgende Programmpunkte vorgesehen: Busfahrt nach
Venedig mit Stadtführung und eine Werksbesichtigung bei Lamborghini.
Samstagmorgen um 8.00 Uhr startete eine Kolonne von 22, größtenteils
Porschefahrzeugen, in Richtung Süden. Wohlbehalten kamen alle Teilnehmer
am späten Nachmittag am Hotel in Garda an. Unser Hotel, das 4-Sterne-Parkhotel
Oasi, erwies sich als Volltreffer! Eine sichere, für uns reservierte
Tiefgarage für unsere Fahrzeuge, geschmackvoll eingerichtete Zimmer
sowie ein großer Swimmingpool standen uns zur Verfügung.
Und, um es vorweg zu sagen, die Verpflegung sowie der Service waren
sehr gut und entsprach voll unseren Erwartungen - nochmals herzlichen
Dank an Hoteldirektor Claudio!
Der Sonntag stand den Teilnehmern zur freien Verfügung; ein Teil
der Mitglieder nutzte den Tag für einen Spaziergang an und am See
entlang, den anderen Teil lockten die kurvigen Strassen der Hügellandschaft
um den See, die zum Gebirge hin mehr und mehr alpinen Charakter annimmt.
Sehr schön die Dörfer mit ihren rustikalen Natursteinhäusern,
die häufig recht ursprünglich geblieben sind, die schmalen,
kurvigen Strassen wie geschaffen für unsere Boxster und 911er.
Montagmorgens um 9.00 Uhr startete ein Bus in Richtung Venedig. In
der Nähe des Busparkplatzes wurden wir bereits von unserem Privatboot
erwartet, welches uns zur Anlegestelle am Markusplatz übersetzte.
Ein besonderes Erlebnis ist es, sich Venedig von der Wasserseite aus
zu nähern. Wie sagte Lord Byron schon: "Ich sah die Stadt
dem Meer entsteigen, gleich einem Schatz von Zauberhand gehoben".
Bereits von weitem erblickt man den Campanile und den Dogenpalast. Venedig
ist eine der schönsten Städte der Welt. Canal Grande, Seufzerbrücke
und Rialtobrücke sind nur ein kleiner Überblick, der aber
für einen kurzen Abstecher nach Venedig schon ein übervolles
Programm bieten würde. In den über 3.000 labyrinthisch verzweigten
Gassen kann man sich verirren. Wie erzählte uns unsere charmante
Reisbegleiterin: "Venedig besitzt 15.000 Häuser, inklusive
900 Palästen und 105 Kirchen und wurde auf 118 Inseln erbaut. Die
Gebäude stehen auf über 1 Million dicht gesetzten Eichen-,
Erlen- und Lärchenstämmen, darüber befinden sich Marmorquader
und Mörtelschichten". Dennoch sinkt die Stadt unmerklich tiefer.
Selbstverständlich versäumten es die meisten Teilnehmer nicht,
eine Kanalfahrt mit den typischen Gondeln zu machen. Hierbei konnte
man einige der schönsten Paläste Venedigs vom Wasser aus in
Augenschein nehmen. Ein herrliches und unvergessliches Erlebnis. Am
späten Nachmittag ging es dann wieder - schweren Herzens, man hätte
es noch viel länger dort ausgehalten - in Richtung Garda.
Am Dienstagmorgen kurz vor 8.00 Uhr geriet das Hotelpersonal in Aufruhr
- es klang, als ob ein Gewitter aufziehen würde, dabei starteten
doch nur über 20 Porschefahrer die Motoren in der Tiefgarage. Durch
ein Spalier begeisterter Hotelangestellter fuhr die Porsche-Kolonne
in Richtung Süden, nach Sant' Agata Bolognese, zur Werksbesichtigung
der Fa. Lamborghini.
Die Kontakte zu Lamborghini hatte uns Peter Wolf, Präsident des
Lamborghini Classic Club Germany e.V., geknüpft. Im Werk begrüßte
uns Cristina Guizzardi, die für Werksbesichtigungen zuständige
Mitarbeiterin. Sehr enthusiastisch erzählte sie uns die Geschichte
der Firma: Lamborghini wurde im Jahre 1948 von Ferruccio Lamborghini
als Unternehmen zur Herstellung von Traktoren gegründet. 1959 wurde
die Produktion um Ölbrenner und Klimaanlagen erweitert. Der Anfang
der Firma Automobili Lamborghini ist eine Legende: Der alte Ferruccio
Lamborghini soll ständig Stress mit der Kupplung seines Ferrari
gehabt haben. Und da fuhr er schnell mal rüber nach Modena, um
dem alten Ferrari einen Lösungsvorschlag für das Kupplungsproblem
vorzuschlagen, worauf dieser ihn mit der Bemerkung abwies, er solle
sich doch "lieber um seine Traktoren kümmern." Daraufhin
beschloss Lamborghini, seinem Widersacher das Gegenteil zu beweisen
und gründete 1963 die Firma Automobili Lamborghini. Als Markensymbol
wählte er sein Sternzeichen - den Stier. Schon 1964 wurden die
ersten Exemplare des legendären Modells 350 GTV hergestellt. Die
Leistung des 12-Zylinders übertraf die des Erzrivalen Ferrari deutlich.
Richtig Aufsehen erregte aber der 1966 vorgestellte Miura. Weitere,
bekannte Modelle folgten: Islero, Espada, Jarama, Coutach, Urraco, Jalpa,
Diablo. Viele dieser Modelle konnten im Lamborghini-Werksmuseum besichtigt
werden. 1972 geriet das Unternehmen in große wirtschaftliche Schwierigkeiten
und wechselte mehrmals den Besitzer. 1998 übernahm schließlich
Audi("Audi-Gruppe" innerhalb des Volkswagen-Konzerns) die
Firma, was von Frau Guizzardi als entscheidender und sehr positiver
Schritt dargestellt wurde. Die heutige Modellpalette umfasst 2 Grundmodelle,
den Gallardo und den Marcielago. Die Werksbesichtigung war sehr interessant,
die Herstellung der beiden Modelle erfordern noch viel Handarbeit, die
Mitarbeiter waren offensichtlich sehr freundlich und motiviert. Die
Rückfahrt zum Hotel führte einen Teil der Teilnehmer noch
nach Maranello ins Ferrari-Werksmuseum, ein sehr empfehlenswerter Umweg!
Am Mittwoch hieß es Abschied nehmen, wobei ein Teil der Mitglieder
den Aufenthalt am Gardasee noch um ein paar Tage verlängerte, ein
anderer Teil machte einen Abstecher über Südtirol, um dort
noch 2 Tage die herrliche Landschaft und die grandiosen Strassen in
den Dolomiten zu genießen. Trotz ernsten Warnungen von Peter Wolf
wegen selbst gemachten, negativen Erfahrungen bezüglich Autodiebstählen
speziell am und um den Gardasee erreichten am Ende alle Teilnehmer mitsamt
ihren Porsche wieder die Heimat. Alles in allem wieder eine unvergessliche
Ausfahrt - bella Italia, wir kommen wieder!
Heinz Miller, Porsche Club Biberach e.V., Präsident