Vor 50 Jahren gewann er mit Walter Hampel auf einem Porsche 356 die GT-Klasse
bis 1300 ccm.1956 (legendäre Regenschlacht) fuhr er auf Mercedes
mit und bei dem letzten Rennen 1957 pilotierte er einen Ferrari, mit dem
er zweiter der Gesamtwertung wurde. Ganz so schnell waren "Schlenkers"
nicht unterwegs, genossen sie doch eher die geschichtsträchtige Strecke
mit ihren landschaftlichen Schönheiten und fahrerisch anspruchsvollen
Passagen.
Nach der Verladung in Düsseldorf, bewiesen wir,daß man nicht
nur auf der Straße als Porschefahrer schnell sein kann,sondern
auch zu Fuß im Zug! Zu schnell, wie sich rasch heraus stellte,
standen wir doch vor verschlossenen Speisewagen-Türen! Pech - also
noch mal in die Abteile und ein wenig warten. Gemäß dem Lied
"Eine Bahnfahrt die ist lustig, eine Bahnfahrt die ist schön",
verging die Zeit wie im Fluge. Donnerstags um 8:30 Uhr, erreichten wir
das Ziel Livorno. Traumhaftes Wetter u.nd herrliche Temperaturen ließ
unsere Herzen höher schlagen.Später auch die der Porschefahrer,
die auf dem Oberdeck der Waggons parkten. Gab es doch reichlich Probleme
über die Rampe auf die Straße zu kommen. Das gelang schließlich
nur unter Mithilfe von Unterlegböcken und helfenden Händen,
die vorne den Porsche etwas anhoben! Nun ging es im Konvoi der Küste
entlang und später ins Landesinnere über Volterra,Colle di
Val d`Èlsa nach Lecchi bei Staggia Senese,zu unserem Ziel "Villa
Lecchi".Eine alte Villa eines ehemaligen Florentiner Porzellan-Fabrikanten.Hoch
über den Hügeln der Toskana gelegen, mit einem unbeschreiblichen
Blick von der großen Terrasse über die Landschaft. Sonne,
sommerliche Temperaturen, der Blick und den Duft von Pinien- und Olivenbäumen
in der Nase, ein Glas Prosecco in der Hand, Freunde um sich - gibt es
etwas Schöneres? Gegen 13:00 Uhr rollten dann 9 Fahrzeuge nach
San Gimignano. Auf der Außenterrasse der Enoteca Il Castello gingen
dann 18 Mitglieder des PC Köln auf Tuchfühlung mit der landestypischen
Küche der Toskana. Der Vino durfte auch nicht fehlen. Anschließend
konnte jeder nach seinem Gusto, die unter Weltkulturerbe stehende mittelalterliche
Stadt, besichtigen. Klar, dass es am Abend viel zu erzählen gab
und der 1. Tag erst ganz spät auf der Terrasse von Villa Lecchi
zu Ende ging.
Der 2. Tag führte uns zuerst nach Montalcino, wo so mancher "Brunello"
den Weg in die Einkaufstasche fand. Das Castello die Banfi war unser
Ziel zur Mittagszeit. Hier erwartete uns ein exzellentes Drei Gänge
Menue mit begleitenden Weinen,Dolce und Café. Es ist müßig
etwas über die Architektonik und die Umgebung zu erzählen.
Begeisternde Blicke der Teilnehmer geben eigentlich die richtige Antwort
wieder. Gemütlich geht es einige Stunden später wieder retour,
zu unserem Hotel. Für den Abend ist eigentlich "Siena bei
Nacht" geplant gewesen, aber das fällt im wahrsten Sinnes
des Wortes ins Wasser. Eine Spontan-Party füllte die plötzliche
Lücke mehr als aus. Hier bewiesen die Teilnehmer Improvisiationstalent.
Bunte Platten (herzhaft oder süß) wie aus dem Nichts geschaffen,
Biere und Vino gegen die trockene Luft, ein halbwegs funktionierender
"Gettho-Blaster", 2 Luftgitarren spielende Musikfreaks, rheinische
Frohnatur und ein Raum für uns,waren die richtige Plattform für
"Spaß bis zum Abwinken".
Gut das der Samstag als freier Tag eingeplant war. Zum Frühstück
trudelten die Porsche-Freunde zeitlich sehr verzögert ein. An diesem
Tag konnte jeder machen, was er wollte. So ging man auf die Suche nach
Modelleisenbahn-Zügen, frönte der Kunst oder faulenzte ganz
einfach. Erwähnenswert wäre da noch der Beweis, dass man nicht
unbedingt einen Porsche Cayenne benötigt, um über "Stock
und Stein" zu fahren. Wenn man den "Biker-Bazillus" in
sich hat, tendiert man immer zu kleinen und kleinsten Straßen.
So führte uns nach dem Besuch des Klosters Vallombrosa eine "Strada
bianca" über einen circa 1500 m hoch gelegenen Bergkamm (4°
Celsius). Nur Geländewagen und ein 4X4 Fiat Panda kommen uns entgegen.
Wer wohl größere Augen machte? Ein Moto-Cross-Fahrer zeigte
uns (Britta u. Manfred Breuer, Ute u. Wolfgang Schulze) dann den Weg
zurück in die Zivilisation. Der Sonnenuntergang im Herzen der Toskana
ließ uns dann schnell den vorher erlebten Angstschweiß vergessen.
Tja, hat halt alles seine 2 Seiten...
Am Sonntag kamen dann vor allem die Technik-Freunde unter uns zum Zuge.
Bestaunten wir doch zum Beispiel ein variables Kegel-Getriebe als Holzmodell.
Der geistige Urheber des Modells und vieler weiterer Exponate? Leonardo
da Vinci! Genau,der Geburtsort von Leonardo da Vinci und die Museen
zogen uns in den Bann. Nach einer sehr rustikalen Küche (Einfach-Klasse)
"erfuhren" wir uns wieder die Toskana auf kleinen und kleinsten
Sträßchen (Heute nur Teer). Aber ganz ohne Stress ging es
diesmal auch nicht ab. Es ist kaum zu glauben, in welche niedrige Verbrauchsregionen
ein Porsche zu bringen ist, wenn die verzweifelte Suche nach einer offenen
Tankstelle zu einem sensiblen Gasfuß führt.
Am Montag, unserem letzten kompletten Tag in der Toskana, ging es ausschließlich
auf der "strada di chianti" durchs Herz des Chianti-Gebietes.
Als erstes fuhren wir nach Greve. Ein kleiner Ort, der wohl den schönsten
Platz der Toskana sein eigen nennen darf. Ein nahezu dreieckiger Platz,
mit einem Denkmal darauf und rundherum gesäumt von Arkaden. Es
war der richtige Platz für ein Foto-Shooting, welches wiederum
für Aufsehen sorgte, bis wir die Autos so postiert hatten, wie
wir uns das vorstellten. Nach dem Foto-Shooting bummelten wir durch
die Arkadengänge bis auf einen, der unbemerkt das Handygespräch
einer jungen Dame mit ihrer Freundin mitbekam "Du, komm schnell
auf den Platz, hier sind 9 Porsches geparkt und richtig gute Männer
sind dabei!"... Naja! Später ging es dann vorbei oder durch
Olivenhaine, Weinberge und Esskastanien-Kulturen nach Coltibuono, einem
alten Vallombrianer Kloster aus dem 11. Jahrhundert. Keine Bange, daneben
liegt ein exzellentes Restaurant in wunderschöner Umgebung. Das
5-Gänge-Menue mit wieder mal begleitenden Weinen, mussten wir im
Restaurant genießen, da es draußen schon zu frisch war.
Zum Schluss gab es noch eine kurze Stipvisite in Castellina in Chianti
(beherbergt die weltweit größte Sammlung alter Chianti-Flaschen,
die zum Teil auch zu kaufen sind) und am Abend ließen wir im Hotel
die letzten Tage gemütlich ausklingen. Apropos klingen - musikalisch
gesehen lässt sich unsere Woche in der Toskana und das Erlebte
mit folgenden Liedern ausdrücken: Zu Beginn das luftig-leichte
quirlende "Oh du lieber Augustin...." und zum Ende eher das,
...na ja...ähem....kann sich jeder selbst ausmalen...."Hey
Big Spender...".
Der heimatliche Diät-Plan wird es schon wieder richten!
Am Dienstagmorgen hieß es dann Abschied nehmen.In kleinen Gruppen,oder
auch einzeln,ging es dann mit unterschiedlichen Zwischenstopps wieder
Richtung "Colonia". Natürlich bei schönem Wetter!
Tanti saluti di Toscana! Wolfgang Schulze
PS: Interessierten Porsche-Clubs stelle ich gerne die Planungen, Streckenführungen,
Adressen etc. zur Verfügung.
Kontakt-Email: schulze.lierfeld@t-online.de