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                                    PCLife 03 | 2025 167Finest-onTour | GourmetBronzefenchel schmecken. Allein schon die M%u00fche, sie kunstvoll zu einem Kr%u00e4uter-Str%u00e4u%u00dfchen zusammenzubinden, ehrt den Meister in der K%u00fcche. Das Geschmackserlebnis? Erinnern Sie sich an Ihre Kindheit, fragen Sie Opa und Oma. So schmeckt Heimat. W%u00e4hrend ich auf den ersten Gang warte, ein Blick in die Runde: Drau%u00dfen unter den Kastanienb%u00e4umen kommen nach und nach die ersten G%u00e4ste an, eine typische bayerische Vesper-Idylle %u2013 wenn denn endlich mal wieder so richtig die Sonne scheinen w%u00fcrde. (Stand Anfang Juni). Drinnen um mich herum viel Holz, altes Holz, alte Kacheln und neues Interieur. Der Gastraum beeindruckt mit der offenen Bar aus Granit und Edelstahl, hoher Holzdecke, tiefh%u00e4ngenden gr%u00fcnen Lampenschirmen, alles hat viel Charme. Ein Blick in die Getr%u00e4nkekarte: interessante Weine junger europ%u00e4ischer wie auch arrivierter Winzer, Maxlrainer Bier, hausgemachte Limonaden und fermentierte Drinks.Dann der erste Gang: Gr%u00fcnspargel, Petersilie, Remoulade. Eigentlich alles allt%u00e4glich, w%u00e4ren da nicht diese kleinen feinen Unterschiede (ist nicht gerade Rhabarberzeit?), die den Gaumen genussvoll reizen und kunstvoll von K%u00fcchenchef Bj%u00f6rn Zapp auf dem Teller kreiert sind %u2013 ein Kunstwerk f%u00fcr alle Sinne und das mit eigentlich ganz banalen Lebensmitteln. Auf die n%u00e4chsten G%u00e4nge muss ich nicht lange waren: rote Beete mit Sonnenblumenkernen, Radicchio, Hanf. Der Hauptgang gegrillter Saibling mit rohem gr%u00fcnem Spargel, Salsa Verde, dazu eine wirklich nennenswerte Kreation aus einer blockf%u00f6rmig geformten knusprigen Kartoffel, lediglich mit Eigelb, Pfeffer, scharfe Mayonaise und Schnittlauch zum Kunstwerk erhoben.Zum Abschluss g%u00f6nne ich mir etwas nicht unbedingt bayerisches S%u00fc%u00dfes: Pavlova*, ein Gedicht aus Baiser, Erdbeeren, Rhabarber und Sauerampfer. Der Men%u00fcPreis: 65 Euro. Und genau mit diesem SauerampferGeschmack auf der Zunge schlie%u00dft sich f%u00fcr mich eine genussvolle Zeitreise, zur%u00fcckblickend in eine Vergangenheit, als man eben dieses Kraut einfach so am Stra%u00dfenrand pfl%u00fcckte und ehrliches Essen eine Selbstverst%u00e4ndlichkeit war. *Pavlova. Benannt nach der russischen Primaballerina Anna Pavlova, die in den 1920er Jahren Australien und Neuseeland. Beide L%u00e4nder beanspruchen daher die Erfindung des weltbekannten Desserts f%u00fcr sich.
                                
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